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Loblied auf Perplex im Jahr 2011

In die Zukunft hinauszuschreiben,
überfliegend dahinzutreiben -
das ist Perplex,
ein geschwätziges Gewächs,

gewachsen durch Jahrzehnte,
weil eine Randgruppe sich sehnte
nach kollektivem Briefeschreiben,
nach schriftlichem Bestehenbleiben,

nach einem offenen Journal
ohne redaktionelle Qual.
Ohne Anspruch, voller Sprüche,
offen auch für trübe Flüche,

ein netter Teich für kleine Fische,
die ungetrübte Schreibernische
von Philosophie bis Sex -
das ist Perplex.
  

Neumond reimt zurück auf „netter Teich für kleine Fische/die ungetrübte Schreibernische/ von Philosophie bis Sex/das ist Perplex :-)“ mit „da fragt sich aber doch, ob man/das Blättchen sexy finden kann“

... du hast Recht, sexy ist PP derzeit nicht oft. Aber im letzten Jahrtausend gab es sogar ein PP-Baby, gezeugt von zwei Pseudos, die sich eben über PP kennengelernt hatten. Und das Baby schrieb dann fiktiv gleich mit... Das nur mal so als Spitze des Berges, über dessen unter der Oberfläche liegende neun Zehntel der Schleier des Privaten liegt. Aber sowas ist lang her, jaja.

Der Text wurde von einem für andere wirren Beitrag „Paradiesdoxon“ des im Kreis angeordneten
Kyklados in Perplex 552/12 ausgelöst - und wie ich von da aus zu meinen Zeilen komme, ist selbst mir jetzt fraglich. Sie entstanden am 7.2.2012.

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Die perplexe Kneipe

In der Kneipe knapp vor Nirgendwo,
genannt Perplex, mit Außenklo,
finden sie ihren Platz am Tresen:
Fleckenteufel, Flieger, Fabelwesen.

Ob Himmelskörper, Nebelwirbel, Dichter,
Aschevögel, Clowns oder Wortvernichter:
Sie wagen private Plaudereien
und vermeiden Kneipenkeilereien.

Denn die perplexe Kneipe ist aus Papier.
Ein Treffpunkt ohne Ort für Zeichen und Wort.
Manch Maske der Wirklichkeit fällt hier
dank der Pseudonyme fort.

Hier kommt die Wahrheit schräg ans Licht.
Hier blüht die Lüge ungestört.
Zum Riesen wird der kleine Wicht.
Kaum ein Beitrag wird überhört.

Perplex fand jenen Fingerbreit
zwischen Brief und Magazin.
Nimm dir drei Stunden pro Monat Zeit
und schreib da hin.
 

Dieser Text entstand als Abwandlung und Fortsetzung eines Gedichtes von Fata Morgana in PP 588/35

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Lied auf die Melodie „I come from Alabama with a banjo on my knee“
als kleine Ergänzung zu Ariberts Liedermacher-Quiz 586/13 :
  

OH IHR SÄNGER

Wir stehen hier am Rand der Welt
und singen noch ein Lied,
während um uns scheinbar unverändert
der Lauf der Welt geschieht.

Die einen schuften jeden Tag
und sagen: "Ihr faules Pack!"
Die andern hängen rum und meinen:
"Euer Eifer ist für die Katz."

  Oh ihr Sänger,
  ihr lauft herum und singt,
  bis ein barsches Wort, ein Tritt in den Arsch
  euch zum Schweigen bringt.

Wir haben was zu sagen,
doch wir haben wenig Geld.
Im Text sind wir manchmal mutig,
in der Tat sind wir kein Held.

Wir sind ein bischen leiser
als Baggerlärm und Krieg.
Doch dafür sind wir weiser
und brauchen keinen Sieg.

  Oh ihr Sänger,
  ihr singt im Kreis herum.
  Kommt ein Polizist daher,
  seid ihr wieder stumm.

Hallo ihr Sänger,
ihr singt herum im Kreis.
Fährt ein Panzer auf euch zu,
seid ihr leider viel zu leis.

Ja ihr Sänger,
ihr lauft herum und singt,
bis ein barsches Wort, ein Tritt in den Arsch
euch zum Schweigen bringt.
    

... und eine Nummer später dann Nemos Kommentar zum Lied:

Aus meiner Sicht ist es keine heldenhafte Rolle eines Sängers, sondern schlicht schrecklich, wenn, wie in Chile geschehen, Sänger gefoltert werden. Ein Überdauern der Worte dieser Sänger, länger als mancher Name eines Folterarsches, finde ich da nicht tröstlich.
Also ich spotte im Lied "O Ihr Sänger" in PP 588/20 zwar über die Grenzen des Protestgesangs. Mit solchem Spott fordere ich aber nicht auf: Singt tapfer auch da, wo ihr damit in den Kerker wandert. Vielmehr vertrete ich die Ansicht, dass ein Protest-Sänger auf mehreren Kanälen politisch agieren sollte. So beweglich bitte, dass er einer Foltersituation nach Möglichkeit entkommt.

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Abiturgeprüfter Tellerwäscherblues
(Zum Scratchen = Ritzgeräusche auf der Schallplatte nehmen wir keinen Plattenteller, sondern einen platten Teller)

Mein Abi, das hab I, das hab I in der Tasch.
Jetzt bin I was besondres, wenn I Teller wasch.

Ich wasch sie mit Gefühl, ich zerdöpper nicht soviel.
Das ist, weil ich mit der Abiturreife spül.
Damit mach ich Karriere, wenn mein Chef das erlaubt,
wenn er an die Reife meines Abiturs glaubt.
Dann darf ich Autos waschen und auch einen PC,
mit dem ich erst dann richtig gebildet umgeh.

Mein Abi, das hab I, das hab I in der Tasch.
Jetzt bin I was besondres, wenn I Teller wasch.

Ich weiß, was Quadrate sind und warum sie sich gleichen.
Ich kann mitten in England den Tower erreichen.
Ich spreche drei Sprachen, darunter sogar Deutsch.
Damit kann ich diskutieren, das braucht man heut sch-
on, um sich nicht zu blamieren, wenn der Kunde fragt:
Sind Sie es, der beim Tellerwaschen soviel Krach macht?

Mein Abi, das hab I, das hab I in der Tasch.
Jetzt bin I was besondres, wenn I Teller wasch.

Einst hatte ich Lehrer, jetzt habe ich Teller.
Die Lehrer lehrten mich langsam, die Teller leeren sich schneller.
Ich hab den Bogen raus nach vierzehn Jahren der Lehre,
wenn ich die Kakerlaken aus der Küche kehre.
Und sitze ich dann bei Ketchup und Pomfrit,
verfolgt mich mein Abitur auf jedem Schritt:
Pomfrit stammt von aus Kartoffeln und Ketchup aus Tomaten.
Das hat mir mein Lehrer bei der Prüfung verraten.

Mein Abi, das hab I, das hab I in der Tasch.
Jetzt bin I was besondres, wenn I Teller wasch.

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Wenn man eine Sprache einfriert, klingt das wie ein Sprachsynthesizer, vermute ich. Originelle Idee. In diesem Sinne mache ich mal einen Liedtext „Der digitale Dauer-Erbe“. Hier singt ein Avatar, ein Wesen mit künstlicher Intelligenz, dem der Verstorbene erzählt hat, wer er sei, und das kann der Avatar nun wiedergeben:

Ich bin eingefroren.
Hab den Menschen verloren,
der mich einmal sprach.
Bin nur noch Roboter.
Der Mensch der ist ein toter,
ich ahme ihn nur nach.

Refrain:
„Wozu grußlos sterben?
Jeder kann jetzt erwerben
den digitalen Dauer-Erben.“

Ich bestehe aus den Sätzen, die ich notierte,
als der Mensch, der im Mund mich führte,
noch seine Gedanken sagte. Ich wagte
seitdem manche Erfindung,
doch mir fehlt die Hirnwindung,
die Ziel und Seele gibt.

(Refrain, dann Trauermusik)

Der Mensch, der ist gestorben.
Seinen Wortschatz hab ich erworben.
Technisch nutze ich nun, was er liebt.