Dichterwelt
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Rundblick in die Dichterwelt - von wohlbekannt bis nur vorhanden in "Perplex"
  

Ein Gedicht von Eugen Gomringer soll 2018 von der Fassade der Berliner Alice-Salomon-Hochschule entfernt werden.

Für mich ist das ein belangloser, aber typischer, symbolisch aufgreifbarer Erfolg von Gestalten, die sich in diesem Gedicht nicht wiederfinden. Ein "Sieg" regulationsrufender, Manipulation treibender Gouvernantinnen unter dem Tarnknüppel "Feminismus".

In Anklänge an das Gedicht verfasse ich das hier:

Idioten.

Enge Feingeister der Ersten Welt.

Eure Fetische sind bekleidete Tische.
Sind trockengelegte Fische.
Sind Banalitäten ohne Nische.

Idioten.
Ihr habt ein Gedicht verboten.

.... und da das Gedicht nicht in deutscher Sprache ist, erlaube ich mir die Eindeutschung - das Textlein erscheint mir freudig und harmlos:

"Straßen
Straßen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Straßen
Straßen und Frauen

Straßen und Blumen und Frauen:
schön seid ihr anzuschauen"

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Und noch eine Eindeutschung (ohne Bezug zu obigem Text) - das Lied "The Boxer" von Simon & Garfunkel. Es ist autobiografisch okay. Die Pathetisierung des Boxer-Jobs greift dann aber daneben. Boxer wird das aber nicht stören, und der Text wird ihnen gefallen:

In Licht der Nacht steht ein Boxer,
ein Handwerker des Kampfes.
In ihm Echos all der Schläge,
die ihn auf seinem Weg zu Boden warfen,
die ihn in die Enge trieben, bis er schrie,
bloßgestellt als ein Verlierer:
"Ich gebe auf", musste er rufen,
und dann schlich er fort und kämpfte
an anderer Stelle weiter -
so hatte er das gelernt.

....................

Christian Morgenstern stolpert herum mit dem „Leben“ anderer.

„Ich habe heute ein paar Christen nicht gekreuzigt, um dir ihr Leben zu schenken“ sowie
„Ich bin heute nicht Auto gefahren, um dir mein Tempo zu schenken“ plus
„Ich habe heute nicht gegessen, um dir Appetit zu schenken“...

... das waren drei Steigerungsformen eines Satzes von Christian Morgenstern: „Ich habe ein paar Blumen nicht gepflückt, um dir ihr Leben zu schenken.“ Ha! Männer-Blabla!

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„Das Lebensglück ist wie ein Vogel, den du liebst. Du nährst ihn mit den Körnern deines Herzens und tränkst ihn mit dem Licht deiner Augen“.

Dieser Vergleich von Khalil Gibran hinkt. Ein Vogel, den ich liebe, bekommt die Körner und das Wasser, das ihm gut bekommt. Mit Augenlicht getränkt verdurstet mir das Tier. Und auch die Aussage ohne den leeren Vergleich trieft vor schönen Worten, die sich nirgends verorten: Lebensglück soll durch Ernähren mit Herz sowie Tränken mit Augenlicht herbeigeführt werden. Das deckt nur ein Hundertstel ab, Herr Khalil Gibran.

Jaja, ich weiß, es gibt nicht Vogel, Körner und Licht - das sollen Sinnbilder sein, die sagen wollen: "Füttere dein Leben mit Herz und Auge, und du wirst glücklich."

Hilft nichts, ich bleibe bei "Füttere dein Leben mit Körnern und Wasser, und du wirst gelegentlich halbwegs glücklich".

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An eine dichtende Kollegin

In deinem Gedicht begegnen mir viele Symbole
als Wasser, als Kobold, als Atem
durch die Jahreszeiten, als Liebe und Seele.

Soweit, so romantisch. Doch
ich ahne es schon: Am Schluss
wird vom Schweigen geredet.

Dieses eine würde ich nicht tun,
wo doch so viel Sehnsucht ruft:
Verstummen.

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Limerick von Boris Johnson:

"There was a young fellow from Ankara
Who was a terrific wankerer.
'Till he sowed his wild oats
With the help of a goat"

Nemos Eindeutschung:

Da war ein Macker in Ankara,
der wichste ganz furchtbar.
Er spritzte sein geiles Sperma
in einer Ziege Vagina.

Mein Kommentar dazu:
Ich bin überzeugt davon, dass das Unterbewusstsein sich selten, aber beharrlich und dann oft schweinisch erinnert. Ex-Präsident Clinton mag so seriös daherleben wie er will - ich sehe ihn in der Schilderung von Monika Levinsky, wie er puterrot im Gesicht wird, bevor er kommt, während sie ihn lutscht. Und "der Macker von Ankara" nun hat durch ein Gedicht diesen Stempel "Ziegenficker" abbekommen, der an ihm hängen bleibt, weil er mit einem absurden Schlenker Wahrheit abbildet (Wankerer): Ein schleimiger fieser Gewalt-Regent.
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Zitat "DEFINITION DES RUHMS"

Worin besteht der Ruhm auf Erden,
der die Wenigen von den Vielen trennt?
Von lauter Leuten gekannt zu werden,
die man selber gar nicht kennt.

Erich Kästner

Ja, ich bin Kästner-Fan, seine Gedichte auf Platz 3. (Platz 1: Walter Mehring. Platz 2: Ringelnatz. Platz 4: R.M.Rilke)

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Und wo bleibe ich? Hier:

Ein Stein rollt Richtung Luft

Ich bin immer nur einer.
Mein Anderer ist keiner.
Meine Anderen sind viele,
doch sie bleiben aus dem Spiele.

Wohin ich auch gehe,
ständig fällt die Wahl -
und entschwinden sehe
ich eine große Zahl

von völlig andern Leben.
Die Zukunft ist ein Streben.
Vergangenes ist Granit.
Einen Bruchteil nehme ich mit

von meinen Möglichkeiten
in all den Handlungsweiten.
Egal muss mir das sein.
Zwischen Tausend anderen

möglichen Nemos
überlebe ich allein.

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Vegan - nein danke. Zwei voneinander unabhängige Vierzeiler zum Veganen:

Bei Fleischeslust gehn viele
Veganer schnell verloren
Drum eifern sie den Pflanzen nach:
Bestäuben sich mit Sporen.

Der Photosynthesizer
ist ein besonders leiser.
Unterbewusst
schenkt er Veganern Lust.

... Und zu diesem Thema noch etwas Prosa:

Antwort, falls Vegetarier mal wieder, wenn man Essen bestellt, davon reden, dass man totes Tier essen wolle: Ja, ich esse Totemtier - das verbindet mich magisch mit der Tierwelt.

Womit spielt ein Veganer sein Streichinstrument? Ich hoffe doch, dass wenigstens Produkte von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind oder dieses Produkt unproblematisch verlieren, in Veganesien genutzt werden dürfen. Also Pferdehaar sollte gehen. „Trommelfell aus dem Leder natürlich gestorbener Schweine“ müsste dann bei Kongas, Bongos und Djembes dranstehen. Meiner Ansicht nach haben allerdings nur Wildschweine bei uns Aussicht auf einen natürlichen Tod.

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Große Spinnen sind weiblich

Wenn Männer von Spinnen spinnen,
sind sie wohl nicht ganz bei Sinnen?
Hallo ihr tollen Menschen-Männlein -
Bio scheint euch fremd zu sein!

Die Spinnen, die im Netz du findest,
Mann, sind groß und weiblich.
Wenn du dich dann überwindest
und geduldig, kleinlich,
genau hinschaust,
mit Lupe gar:
Dann kommen dir die Männlein nah.

Sie klettern auf das Riesenweib,
befruchten ihren Unterleib
und werden dann von ihr verschmaust.